Kapverden

Sonntag 05.09.2010

 

Geschichte (Teil3)

 
Kapverden - Kolonialzeit
Festung aus der Kolonialzeit

Teil 3

Aufschwung und Ende der Kolonialzeit

Im Jahre 1790 begannen sich die Inseln langsam zu erholen. Während der napoleonischen Kriege wurde 1815 der Sklavenhandel auf der nördlichen Halbkugel verboten und England sicherte sich das Recht auf den Handel mit Portugal und Brasilien. Auf São Nicolao wurde erstmals Kaffee aus Brasilien angebaut, auf São Vicente ließen sich die ersten Siedler nieder, Praia wurde mit Straßen und städtischen Plätzen ausgestattet und auf der Insel Sal wurde von nun an Salz produziert. Nach einem Sklavenaufstand im Jahr 1853, der noch blutig niedergeschlagen wurde, war die Sklaverei auf den Kapverden 1878 endgültig beendet. Die Bewirtschaftung wurde fortan im Teilpachtsystem, das bis heute die Landwirtschaft der Kapverden prägt, weiter betrieben. Dennoch brachten die Exporte von Salz, Bananen, Kaffe, Fisch und Purgiernüssen nicht den erhofften Ertrag. Portugal hatte während seiner Herrschaft nicht in das Land investiert, die Exportkosten waren aufgrund der Abgelegenheit der Inseln zu hoch, die ohnehin geringen Bodenschätze gingen zur Neige und die Wasserreserven wurden knapp. Als um 1900 zudem die Weltmarktpreise für Kaffee drastisch absanken, brach die Produktion auf den Kapverden ein. In Lissabon errichtete Premierminister Salazar 1932 sein diktatorisches Regime und erklärt die Kapverden 1951 aufgrund des wachsenden nationalen Drucks als Überseeprovinz. Der Kolonialstatus wurde allerdings nur offiziell beendet. Durch massive Proteste gegen das weiterhin vorherrschende Kolonialgebaren Portugals wurden den Kapverdianern schließlich 1961 alle portugiesischen Bürgerrechte und bessere Bildungsmöglichkeiten zugestanden. Ab dem Jahr 1958 setzte erneut eine Dürrekatastrophe ein. In Lissabon hatte mittlerweile Caetano die Nachfolge Salazars angetreten und unterstützte die Inseln mit Aufbauprogrammen, sodass die Folgen der Dürre gemildert werden konnten. Zu verdanken war dies vor allem dem Druck von Amílcar Cabral, der 1956 in Guinea-Bissau die PAIGC (Afrikanische Partei für die Unabhängigkeit Guineas und der Kapverden) gründete. Guinea-Bissau wurde bereits von 1650 bis 1878 von den Kapverden aus verwaltet, und auch die kreolische Kultur und Sprache verband die beiden Länder. Nach mehreren Versuchen Portugals, die PAICV mittels der PIDE, einer Art Geheimpolizei, zu unterwandern und den Zusammenschluss von Guinea-Bissau und den Kapverden zu verhindern, wurde Amílcar Cabrals im Jahr 1973 ermordet. Bis heute ist unklar, wer den Mord in Auftrag gab. Im Jahr 1974 wurde durch die Nelkenrevolution die Diktatur in Portugal beendet. Die lokalen Truppen auf den Kapverden hielten ihre Herrschaft jedoch weiterhin aufrecht. Im Dezember desselben Jahres wurde dann unter Leitung von Pedro Pires und Aristides Pereira eine PAIGC-Übergangsregierung vereinbart und im Juni 1975 erfolgte die erste Abstimmung über die nationale Volksvertretung: 92% der Stimmen bestätigte die PAIGC als Einheitspartei und somit Inhaberin aller Mandate in der Volksversammlung.

 
Amilcar Cabral
Amilcar Cabral, Nationalheld der Kapverden

Die Unabhängigkeit

Am 5. Juli 1975 erklärte die República Cabo Verde ihre Unabhängigkeit. Erster Staatspräsident wurde Aristides Pereira als Generalsekretär der PAIGC. Zum Ministerpräsidenten wurde Pedro Pires ernannt. Am 5. September 1980 wurde die erste Verfassung verabschiedet. Am 20. Januar 1981 wurde die PAIGC als neue Regierungspartei PAICV (Afrikanische Partei für die Unabhängigkeit der Kapverden) gegründet.
Die neu erreichte Unabhängigkeit stellte die Regierung vor schwierige Aufgaben: Die Staatskassen waren leer, eine schlimme Dürre plagte erneut das Land und die Erwerbslosenquote war auf 60% angestiegen, da die Arbeitsplätze in der Kolonialverwaltung wegfielen. Mit Unterstützung von Entwicklungshilfeorganisationen gelang es aber, das Land schrittweise aufzubauen.
Heute herrscht auf den Kapverden ein politisches Klima, das von sozialem Frieden und Stabilität geprägt ist.