Auswandern

Auswandern auf die Kapverden ?

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Auswandern auf die Kapverden?

Seien wir mal ehrlich: fast ein jeder hat sich nach einem entspannten Urlaub schon einmal gefragt, ob er den deutschen Alltag nicht einfach hinter sich lassen soll, um sich ein schöneres Leben im neu entdeckten „Paradies“ zu gönnen: keine dringenden Meetings und Conference-Calls mehr, einfach nur frei von neokapitalistischer Hektik, zugehörigem Lärm und vermeintlichen Kaufzwängen aller Art in eine andere Welt eintauchen, das ganze bei 28° im Schatten, strahlender Sonne und Palmen – das wäre schön !

In den folgenden Zeilen wird dem ein oder anderen wahrscheinlich diese schöne Illusion geraubt werden. Wer also nur hin und wieder mit dem Gedanken spielt, auszuwandern, der darf an dieser Stelle ruhig aussteigen. All diejenigen aber, die schon so gut wie „auf gepackten Koffern“ sitzen, sollten weiter lesen, um nicht ein Böses Erwachen zu erleben. Bei allen Nachteilen haben die Kapverden natürlich auch ihre Vorzüge: diese sind aber auf den restlichen 80 Seiten zu finden. Hier geht es ausschließlich um die „Alltagstauglichkeit“ der Inseln !

Was im Urlaub entspannt und stressfrei wirkt, kann – und das leider auch auf dem kapverdischen Archipel – im Alltag oft zum krassen Gegenteil werden. Wer also glaubt, der deutschen Verbissenheit oder Pedanterie entkommen zu können, indem er Resident auf den Kapverden wird, kommt vom Regen in die Traufe. Auch für alle Bürokratie-Gegner dürfte das Archipel wohl kaum ein adäquater Ort sein, der behördlichen Einfachheit zu frönen.
Im Folgenden seien ein paar kleine Anekdötchen berichtet, die dem ein oder anderen einstmals entschlossenen Auswanderer in der Tat eine unerwartete neue Welt zeigten.


Kapverden: Keine Bananenrepublik !
Kapverden: Keine Bananenrepublik !

Eins mal vorab: die Kapverden sind keine „Bananenrepublik“, will heißen mit „schmieren“ (Bestechung) kommt man nicht weit. Im Gegenteil: auf Versuche reagieren die Behörden, vor allem die Zollhoheiten, mit äußerster Schärfe. Die kapverdianischen Beamten verstehen sich als Diener eines Rechtsstaates und so geht alles seinen geordneten Gang. Das hört sich nun so an, als wäre man in Deutschland. Leider ist es oft deshalb schlimmer, da das Land mit geregelten und effektiven Abläufen nicht gerade auf eine lange Tradition zurückblicken kann. So nimmt es nicht Wunder, dass Standardprozesse, wie etwa ein Antrag auf die Residencia (Wohnrecht) oder ein Grundstückskauf mitunter jahrelang dauern, auch wenn alle Voraussetzungen erfüllt und alle Formulare – und derer gibt es zahlreiche – vorgelegt sind. Eine Beschleunigung seiner Angelegenheiten kann man allenfalls mit Freundlichkeit oder langjährig gepflegten Beziehungen erreichen. Auf der sicheren Seite stehen wohl nur Zen-Buddhisten: Alles, was hilft ist Geduld und Ruhe.

Auch die Exekutivgewalt, sprich die Polizei, nimmt ihren Job derart ernst, dass man kein Verschwörungs-theoretiker sein muss, um zu der festen Überzeugung zu gelangen, man werde systematisch schikaniert. Als Nichtresident hat man es bei alledem nicht unbedingt einfacher. Die Präsenz der Ordnungshüter ist vergleichsweise hoch, ebenso deren Arbeitseinsatz: kaum ein vorbeifahrendes Auto, das es nicht wert wäre, bis ins Detail durchgefilzt zu werden. Fehlt ein Warndreieck, winkt dem Nichtbesitzer eine Strafe von umgerechnet circa 10 Euro. Dem Eifer der Polizeibehörden steht ärgerlicherweise eine noch mangelhafte Aufklärungsarbeit der Regierung entgegen. Die Gesetze, die sich im Übrigen mindestens so oft ändern, wie in Deutschland, sind nicht so einfach einsehbar und so weiß man oft nicht, in welcher Form man dem Kapverden-Kodex gerade zuwiderhandelt.
Bestes Beispiel hierfür ist die Erfahrung eines sehr langmütigen Zeitgenossen, der, mittlerweile Resident der Kapverden, jüngst die Geduld verlor: Er brachte sein Auto zum TÜV (ja, den gibt es), es wurde durchgecheckt mit dem Vermerk, alles sei in Ordnung und er möge in 2 Jahren wieder kommen. Bereits ein Jahr später wurde er von der Polizei angehalten, die seinen abgelaufenen TÜV bemängelte. Nicht verlegen holte der geduldige Resident sein Formular aus dem Handschuhfach mit der Bemerkung, er müsse laut Vermerk der TÜV-Behörde erst in einem Jahr wieder zur Kontrolle. Die Polizei begegnete dem Einwand schlicht mit der geänderten Gesetzeslage: Seit vergangenen Monat müsse man eben jedes Jahr zum TÜV. Bei der Frage des Autofahrers, woher er das wissen solle, wenn die Gesetzesänderungen nicht mitgeteilt würden, wurde es dann recht unbürokratisch, eine Antwort blieb aus, stattdessen gab es einen Strafzettel.
Einen Strafzettel bezahlt man auf dem Archipel übrigens folgendermaßen – und man sollte sich beeilen, denn zahlt man nicht innerhalb von 20 Tagen (was fairer Weise schriftlich vermerkt ist), wird das zugehörige Auto beschlagnahmt. Also schön bezahlen, und das geht so: Man holt sich ein Formular bei der Stadt (hört sich leicht an, dauert aber bis zu drei Stunden), eine spezielle Briefmarke dazu (natürlich woanders erhältlich), füllt das Formular aus, klebt die Marke drauf, geht damit zum Finanzamt, lässt sich ein Stempelchen geben, was mitunter sehr viel Zeit in Anspruch nehmen kann, geht dann damit zur Bank und leistet eine Bareinzahlung in durchschnittlich zwei wahnsinnigen Stunden und bringt anschließend alle Belege mit Stempelchen bei der Polizei persönlich vorbei. Fertig!
Wenn man nun noch entschlossen ist, auf die Kapverden auszuwandern, sollte man doch stets im Hinterkopf behalten, dass das Strafzettelbezahlen eine der leichtesten staatsbürgerlichen Übungen auf den Kapverden ist…

Wie man Resident wird, erfährt man hier. Selbstredend, dass diesem Thema ob der Komplexität des kapverdischen Verwaltungsapparats ein Extra-Kapitel gewidmet wurde!