Insel Santo Antão


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Santo Antão Bergwelt

Santo Antão – die Bergige

Santo Antão – Insel der Berge, der Winde, des Wassers – man könnte der zweitgrößten Insel der Kapverden viele Namen geben. Mit ihrer sehr gegensätzlichen Landschafts- und Bodenstruktur begrenzt sie mit 779 qkm Größe die Inselgruppe im Nordwesten. Der Süden und Westen erscheinen trostlos und karg, im Norden und Osten dagegen wird man in subtropischem Klima von einer reichen Vegetation überrascht, Fichten- und Kiefernwälder begrünen die Ribeiras ebenso wie Dattel- und Kokospalmen, Mango- und Affenbrotbäume, Zitrus-, Mandel-, Papaya- und Orangenbäume. Im Gebirge wird auf Terrassenfeldern, die teils aus schwarzer Lavaerde, teils aus weißem Pozolana bestehen, Mais, Ananas, Kaffee und Maniok angebaut. Es duftet nach Eukalyptus, Lavendel und sogar Lotusblüten. Akazien, wilde Feigen und Drachenbäume säumen vielerorts die Wege.
Die fast 50.000 Einwohner der Insel leben vorwiegend in den Städten Porto Novo, Ponta do Sol, Paúl und Ribeira Grande. Dennoch sind die Menschen von Santo Antão ein Bergvölkchen: Sie haben, bei all ihrer kapverdischen Lebensfreude auch etwas Raues und Schweres. Hier ist der Musikstil/Tanz der “Colá” zu Hause.


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Ribeira Grande, Santo Antão

In Ribeira Grande, der quirligen Hauptstadt von Santo Antão, im gleichnamigen Tal gelegen, gibt es außer der Kirche Nossa Senhora do Rosário mit gleichnamiger Praça einen Lebensmittel- (Mercado Municipal) und einen Kleidermarkt (im Norden des Stadtkerns) zu entdecken. Zwar haben sich bisher wenige Hotels etabliert, doch herrscht in den verschlungenen Gassen mit den kleinen Geschäften und Restaurants lebhafte Stimmung. Zum Übernachten bieten kleinere Pensionen einen relativ guten Service. Es gibt ein Internetcafé in in einer Seitengasse in der Nähe der Kirche.
Porto Novo, die nächst größere Stadt auf Santo Antão liegt im trockenen Südosten der Insel, es weht ständig ein staubiger Wind. Eine Hauptstraße mit ehemaligen Herrschaftshäusern, eine kleine Kirche, Märkte, auf denen frischer Fisch, Grogue und frischer Ziegenkäse verkauft wird, Geschäfte und natürlich den Hafen gibt es hier zu entdecken.


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Im Tal Paúl, Santo Antão

Um die faszinierenden Gegensätze Santo Antãos zu begreifen, empfiehlt sich eine Fahrt von Porto Novo nach Ribeira Grande auf der alten Straße. Man startet im trockenen Südosten der Insel, fährt durch senkrecht emporragende Felskegel, dann durch Kiefernwald bei Cova und Corda vorbei und auf schmalen Bergrücken bis an die Nordküste der Insel. Nachdem man die ersten Dörfchen bei Lombo de Figueira passiert hat, kommt man (zu Fuß) zum Vulkan Cova de Paúl, dessen Kessel inmitten von steilen Felsen 1000 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Von hier aus eröffnet sich eine atemberaubende Aussicht auf die Ribeira do Paúl und auf die Nordküste. Durch die Ebene von Lagoa (der Ort selbst ist sehr klein) sieht man, wie im Westen die Landschaft schon wesentlich karger wird. Auf den Hochebenen hat man wiederum eine sehr schöne Sicht über die Insel, bei gutem Wetter sogar bis zum Monte Verde auf der Nachbarinsel São Vicente. Auch rund um Corda, dessen Häuser wie an den Berg gewachsen scheinen, hat man einen unbeschreiblichen Panoramablick. Nachdem man Corda hinter sich gelassen hat, wird es spannend: Man fährt auf einer Straße, die auf dem Rücken eines Gebirgszugs verläuft. Links und rechts geht es fast senkrecht in die Tiefe.
Seit Sommer 2009 ist nun auch die neue Straße von Porto Novo nach Paúl erföffnet. Es handelt sich hier um eine, landschaftlich eher langweilige, Asphaltstraße. Leider fahren nun auch alle Aluguers (Sammeltaxis) auf dieser neuen Straße und so verpassen die meisten Besucher der Insel die atemberaubenden Ausblicke der alten Kopfsteinpflasterstraße. Hier muss man nun ein Taxi bestellen, das von Porto Novo bis Ribeira Grande ca. 5.000 Escudos (etwas 45 EUR) kostet.

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Vila das Pombas, Paúl

Ca. 10 km östlich von Ribeira Grande liegt der Bezirk Paúl mit dem Küstendorf Vila das Pombas von dem sich die Ribeira do Paúl bis zum Cova Krater hochzieht. Ungefähr in der Mitte des teils sehr zerklüfteten Tals liegt das Örtchen Passagem in 250 Metern über dem Meer. Hier ist auf mehreren Terrassenplateaus ein hübsches Schwimmbad angelegt. Von dor führt in Richtung Meer eine schmale Fahrstraße nach 2 km bis zu der ländlichen Unterkunft Aldeia Manga, bestehend aus mehreren strohbedeckten Lehmbungalows und einem großen Steinhaus. Eine ideale Unterkunft für Wanderer, die von hier aus viele Wanderungen starten und enden lassen können, ohne ein Auto zu benötigen.
Ca. 2 kilometer weiter oben gibt es in Cha de João Vaz, bei Alfred ein nettes kleines Restaurant mit vielen interessanten hausgemachten Produkten. Besonders beliebt sind die diversen Liköre und Grogue-Varianten des schon über 25 Jahre in Pául leben Österreichers.
Vila das Pombas (Paúl) selbst liegt an einer geschützten Bucht im Nordosten von Santo Antão. Pastellfarben gestrichene Häuschen, wie das hellblaue Rathaus, säumen hier die Strandpromenade, dahinter liegen Zuckerrohrfelder und Kokospalmen – man fühlt sich an Cuba erinnert. Auch die kleine Kirche und das blaue Rathaus machen Vila das Pombas zu einem verträumten Ort.


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Küstenstrasse von Paúl nach Ribeira Grande

Folgt man der Küstenstraße von Paúl Richtung Norden gelangt man zu dem Örtchen Sinagoga, einer ehemaligen Siedlung jüdischer Einwanderer.
In südliche Richtung führt die Küstenstraße durch das Ribeira da Janela. Vorbei an einer Grogue-Destillerie, die direkt an der Straße liegt, gelangt man zum 1886 erbauten Leuchtturm von Janela. Von Pontinha da Janela aus gelangt man talaufwärts nach ungefähr 500 Metern zu einem freistehenden Felsen mit Petroglyphen (eingeritzten Zeichen), dem Pedra da Nossa Senhora.
Im westlichen Teil des Tals von Ribeira Grande ist außerdem der Weg entlang der Ribeira Graça in das Örtchen Chã de Igreja lohnenswert, das von Grün umgeben malerisch in einer 50 Meter tiefen, steil abfallenden Schlucht liegt. Nicht selten schmücken hier die Dorfbewohner ihre Häuser, die rund um den Dorfplatz mit der weißen Kirche liegen, mit Blumen aller Art.
Das Dörfchen Chã de Igreja kann man auch von Ponta do Sol aus erreichen. Auf dieser nicht minder interessanten Strecke entlang von Abhängen und Schluchten passiert man den sehenswerten Ort Fontainhas, der auf einem Felsen thront, sowie die ursprünglichen Fischerdörfer Corvo und Forminguinhas und schließlich den auf einer Landzunge gelegenen Ort Cruzinha da Graça. Zu Fuß dauert die Tour etwa 5 Stunden. Die befahrbare Straße geht bis Fontainhas, dessen wie aus dem Berg gewachsene Häuser umrahmt sind von Terrassenfeldern und bergigen Hängen. Ab dort dauert der Fußweg bis Forminguinhas weitere 2 Stunden.


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Ponta do Sol, Santo Antão

Der Straße von Ribeira Grande aus in Richtung Nordwesten folgend erreicht man den vielleicht schönsten Ort Santo Antãos, Ponta do Sol, im äußersten Norden der Insel. Bunte kleine Fischerboote liegen auf der Landzunge, die in den Atlantik hinein ragt. Das Rathaus an der innerstädtischen Praça, ein vergleichsweise großer kolonialer Bau scheint hier über allem zu wachen. Ebenfalls an der Praça liegt die weiße Kirche des Ortes mit ihren schönen Giebeln. Übernachtungsmöglichkeiten findet man in Hotels und kleineren Pensionen; Restaurants und Bars säumen die Straßen. Ein Erlebnis ist bereits die Fahrt von Ribeira Grande nach Ponta do Sol: Die Verbindungsstraße führt direkt am Meer an der Felswand entlang. In Ponta do Sol befindet sich ein zweiter Wohnsitz des heutigen Präsidenten der Kapverden, eine großzügige Villa mit wunderschönem Garten.
Den Westen erkundet man am besten von Porto Novo aus. Eine ausgebaute Straße führt zur Ribeira das Patas, deren Tal stellenweise durch senkrecht aufsteigende Felsen begrenzt ist (vor allem bei Lagedos). Hinter einem grüneren Landstrich in Richtung Westen liegt die höchste Erhebung der Insel, der Tope de Coroa mit seinen 1980 Metern Höhe. Von dort aus ist es nun nicht mehr weit nach Tarrafal de Monte Trigo, eine grüne Oase an einer geschützten Bucht. Die Piste ab Ponte Sul im Landesinneren ist recht abenteuerlich, da nicht gepflastert, man kann jedoch mit dem Aluguer (Sammeltaxi) oder aber viel bequemer mit einem Geländewagen als Taxi gemietet, direkt von Porto Novo aus, dorthin fahren. Ein wunderschöner kilometerlanger schwarzer Lavastrand erwartet dort den Besucher. Das durch eine nahe gelegene Quelle sehr grüne Tarrafal liegt windgeschützt vor hohen Felsklippen. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in liebevoll gebauten Natursteinbungalows in einer sehr schönen, ursprünglichen Anlage (Mar Tranquilidade), die von einem Deutsch-Amerikanischen Paar betrieben wird.